Geschichtsvorschau – Der Mord an Cayde-6

4. März. 2019 - Destiny Dev Team

Am Eingang zu einem Gensym-Labor herumtrödelnd, steckte der Mann eine grüne Münze in eine Tasche seines neu erstandenen Staubwedels und checkte dann, ob sein Obsidian-Wille auch fest verschlossen war. Er fummelte an den Verschlüssen eines Helms herum, als eine Technikerin mit einem Klemmbrett zur Tür eilte. Sie trat ein und er folgte ihr. Beinahe erwischten ihn die Türen, als sie sich schlossen, wodurch ihn die Technikerin bemerkte und sich zu ihm umdrehte.

„Na, alles klar?“ Die Stimme des Mannes ertönte tief und moduliert, als er sich an ihr vorbeizwängte.

„Widerling“, murmelte die Technikerin und ging in die entgegengesetzte Richtung.

Der Mann stoppte, um sich die aufgelisteten Raumprogramme auf einem Bildschirm an der Rezeption anzusehen, und ging dann weiter den Flur entlang, in die Finsternis von Labor 3.

Drinnen stand der praxianische Warlock Aunor unter einer Konstellation von holografischen Projektionen, die in der Luft um sie herum verankert waren.

Sie sah den Mann aus dem Augenwinkeln und nickte kaum merklich mit dem Kopf.

„Warlock“, grüßte der Mann.

„Warlock“, grüßte sie zurück, während sie einen Schleifenfeed aus einer Ecke direkt in ihr Blickfeld vor sich zog. „Ich brauch nicht lange.“

„Lass dir Zeit“, sagte er und lehnte sich gegen eine etwas entfernte Wand. „Wollte schon immer mal einem Praxianer bei der Arbeit zusehen.“

„Ich kann dir versichern, es ist glamourös“, antwortete sie, und breitete die Arme aus, um den Feed dreidimensional auszuweiten. 
Das Labor wurde von einem Lichtblitz erhellt und verwandelte sich in die brennenden Trümmer des Gefängnisses der Alten.

Der Mann drehte sich zu seiner Linken und erblickte ein bekanntes, mitgenommenes Gesicht, das zu den acht Baronen der Wirrbucht aufsah.

Cayde-6 stolperte nach vorne und hob eine Hand. „Hilf mir mal, meine Kleine.“ Sein Geist erschien in gleißendem Licht.

„Stop“, rief Aunor. Die Zeit wurde angehalten. „Bestätige, was ich sehe.“

Die Zentralrechnereinheit des Turms erklang mit einer automatisierten Stimme. „Der audiovisuelle Feed von Geist ‚Sundance‘, aus dritter Person, Zeitpunkt der Aufnahme ist ungefähr sechs Monate davor.“

„Scann den Feed nach weicher Lichtzwischenschaltung.“

„Keine gefunden. Dieser Geist-Feed stammt direkt aus der Datenbank des Subjekts und ist völlig unberührt.“


„Abspielen.“

Das helle Aufheulen der Waffe des Schützen war das letzte Geräusch des Feeds. Es war das letzte Geräusch, das Caydes Geist jemals hören sollte. Die Kugel zerschmetterte die holografische Welt um Aunor und den Mann herum, dann erschien Labor 3 wieder.

Aunor schnappte sich ihren Mantel und verschloss ihre bepanzerten Hände hinter ihrem Rücken. „Warum endete der Feed?“

„Subjekt ‚Sundance‘ erlitt nicht wiederherstellbares Systemversagen und konnte nicht mehr aufnehmen.“

„Hohn-Kanonen können keinen Geist killen“, widersprach der Mann, der sich einen Schritt von der Wand entfernte und seine verschränkten Arme lockerte.

Aunor ignorierte ihn. „Todesursache?“, fuhr sie fort.

„Es scheint, dass ‚Sundance‘ einer einzigen, katastrophalen Wunde durch eine Verschlingerkugel zum Opfer gefallen ist, die so modifiziert wurde, dass sie aus einem Hohn-Raketenwerfer gefeuert werden konnte. Projektile als ontologisch klassifiziert.“

„Definiere Verschlingerkugel.“

„Sprengladung entspricht der Ballistik einer Waffe des Leids oder einem vergleichbaren Schar-Utensil.“

„Was denkst du, Warlock?“ Aunor fragte den Mann ohne sich umzudrehen.

„Hat der Gedankendreher sich nicht selbst einen Aszendententhron gebaut?“

„Ja.“

„Kugel herstellen ist ja einfach dagegen, wenn man sowas fertig gebracht hat.“

„So funktioniert Schwertlogik aber nicht. Der Thron kam danach“, entgegnete Aunor. „Er wurde auf Cayde-6s Tod gebaut. Hab deinen Namen nicht mitbekommen.“

„Finch“, sprach der Mann.

„Finch“, wiederholte Aunor trocken.

Er zeigte auf die Holo-Anzeigen. „Wozu ist das alles gut?“

Die verschiedenen HUDs und Datenströme spiegelten sich in Aunors blankpoliertem, schwarzen Helm. „Ich untersuche, ob der Held der Roten Schlacht möglicherweise in den Tod von Cayde-6 verwickelt war.“

Finch kicherte. „Hängen die dich dafür nicht?“

Aunor sah zu Boden. „Du wärst überrascht, was die Stadt einem Lichtträger so alles durchgehen lässt.“

„Ist mir zu Ohren gekommen. Und? Ist der große Held in Wahrheit der Bösewicht?“

„Du kannst den Bericht lesen, wenn die Vorhut ihn veröffentlicht.“

Finch nickte. „In Ordnung.“ Er wandte sich zum Gehen um und hielt dann inne. „Und was passiert, wenn der Heilige wirklich ein Sünder ist?“

Aunor drehte sich immer noch nicht um. „Der Praxianische Orden zögert nicht und hört nicht auf. Sollten wir beweisen können, dass du der Menschheit oder der Stadt nachweisbaren Schaden hinzugefügt hast, spielt es keine Rolle, wie weit oder wie schnell du rennst. Wir kriegen dich schon. Und dann blüht dir das Praxianische Feuer.“

„Du bist ‘ne angsteinflößende Schwester.“

Endlich drehte sie sich um und blickte ihn direkt an. „Du hast keine Ahnung.“

Finch hustete und begab sich zur Tür. Hinter ihm rief Aunor: „Brauchtest du nicht das Labor?“

„Mir ist gerade eingefallen, dass ich noch was erledigen muss“, warf er über seine Schulter zurück und verschwand.
Die Türen schlossen sich, so dass Aunor im Halbdunkel stand, die unzähligen Datenströme sich in ihrem Helm spiegelnd.

„Starte den Feed nochmal“, befahl sie.

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