Der Vagabund blickte finster auf einen Kratzer auf seiner Glefe, während er die Klinge mit einem dicken Tuch polierte. Ein großer Aktenkoffer ruhte schwer zu seinen Füßen.
Er und Joxer waren wieder an Bord der Ausgestoßenen. Der Titan hatte seinen Kopf in die Hände gelegt. Seine leuchtende Rüstung erfüllte den Raum mit einer blutroten Wärme.
„Kopf hoch, Bruder“, sagte der Vagabund. „Das lief doch gar nicht so schlecht.“
„Drei Hüter sind tot“, erwiderte Joxer, hob den Kopf und blickte den abtrünnigen Lichtträger direkt an.
„Stimmt wohl“, feixte der Vagabund, während er seine Waffe weiter auf Hochglanz brachte. „Haben ins Gras gebissen. Kommen nie mehr zurück. Ihre Geister haben nicht aufgepasst. Gibt man den Besessenen eine Chance, pusten sie einem das Licht aus. Die Tatsache, dass du am Leben bist, zeigt, dass dein Geist weiß, was er tut.“
„Du hast gesagt, dass das ein Testlauf sein sollte.“
„Wo glaubst du denn, dass du hier bist? Im Schmelztiegel? Gambit Prime ist eine endgültige Sache – auch bei einem Testlauf.“
„Du elender ...“
„Überlass mir die Beschimpfungen, du Ass. Bringen wir diese Nachbesprechung zu Ende, damit du deine Bezahlung bekommst.“
„Du hättest ihnen helfen können.“
Der Vagabund stand auf und donnerte das Ende seiner frisch polierten Glefe auf den Aktenkoffer zu seinen Füßen.
„Du hast dich selbst da raus gerettet“, sagte er, während er sich auf die Waffe stützte. „Du hast keine Hilfe gebraucht.“
„Du hättest diese Besessenen aufhalten können. Du hättest sie alle retten können.“
„Ich habe dich dafür bezahlt, dass du diese Rüstung anprobierst. Wie gefällt sie dir?“
Joxer schwieg. „Sie tat genau das, was du gesagt hast“, erwiderte er endlich. „Ich habe die andere Seite überfallen. Die Rüstung hat die Bank dichtgemacht und ich habe ihre Partikel einfach abgezogen – als wären es meine gewesen.“ Er blickte auf das Deck. „Wir haben sie plattgemacht.“
„Ja. Das habt ihr“, sagte der Vagabund mit einem heftigen Nicken.
„Bekommen alle so ein Rüstungsset?“
„Wenn sie es selber bauen können. Ich stelle gerne die Engramm-Pläne dafür bereit.“ Er setzte ein spöttisches Grinsen auf. „Dein Einsatztrupp – mögen sie in Frieden ruhen – haben sie dir geholfen?“
Joxer nahm seinen Helm ab und rieb sich die Augen. „Wir haben keine Namen benutzt, wie du uns gesagt hast. Der ... der Warlock hat unsere Bank bewacht.“
„Wie ein privater Ein-Mann-Sicherheitsdienst“, sagte der Vagabund nickend.
„Er schien immer zu wissen, wo der andere Eindringling war.“
„Ein Wächter, der etwas taugt, sollte das immer wissen.“
„Und die Jägerin. Die war ein Biest. Hat diese Kabale in Fetzen gerissen, als wären sie aus Papier.“
„Der Drescher eures Teams“, erklärte der Vagabund. „Dafür muss man, wie du, ein geborener Killer sein. Nur liegt der Fokus hier auf den Feinden der Menschheit. Und man ist der beste Freund des Sammlers.“
„Ja, der Sammler, ein wieselflinker Titan. Hat sich viel versteckt und ’ne Menge Partikel eingesackt.“
Der Vagabund kicherte. „Du hieltest ihn für nutzlos, was?“
Joxer seufzte. „Bis er den fiesesten Besessenen, den ich je gesehen habe, auf die gegnerische Seite losgelassen hat.“
„Bruder, wenn man es schafft, einen riesigen Blocker zu beschwören ...“ Der Vagabund schüttelte grinsend den Kopf. „... Dann muss das Ding auch essen.“
„Wir hatten sie. Wir haben das gegnerische Team fertiggemacht. Aber ...“ Der Titan hörte auf, zu sprechen. Sein Kopf blieb gesenkt, als er weiterhin auf das Deck starrte.
„Der Urzeitler“, sagte der Vagabund mit einem Anflug von … Stolz.
„Dieser Urzeitler hat uns auseinandergenommen.“
Der Vagabund zuckte mit den Schultern. „Da habt ihr einen gefunden, der stark genug für euch war. Lektion gelernt. Sorg dafür, dass dein Geist auf Zack bleibt.“
„Sie sind alle tot“, sagte Joxer wieder.
„Ja, in einer ganzen Stadt voller Unsterblicher“, sagte der Vagabund. „Wer hätte das gedacht? Ihr Anteil geht an dich. Und einen kleinen Bonus gibt es dafür, dass du die – du weißt schon – Details von der Vorhut fernhältst.“
Der abtrünnige Lichtträger kickte den Aktenkoffer über das Deck. Joxer hob ihn hoch, ohne ihn zu öffnen.
„Wo das herkommt, gibt es noch mehr, wenn du den Job haben willst“, sagte der Vagabund, der sich wieder auf seine Glefe stützte.
„Da stehst du alleine da.“ Joxer stand auf und ging am Vagabunden vorbei. Er verließ die Kammer mit dem riesigen Koffer im Schlepptau.
„Die Rüstung kannst du behalten“, rief der Vagabund ihm nach, ohne sich umzudrehen.
Als sich die Schritte des Titanen den Gang entlang und in Richtung des Hangars der Ausgestoßenen entfernten, erschien ein Geist aus einer dunklen Nische.
„Wie viele Daten konntest du aufzeichnen?“, fragte der Vagabund.
Das Auge des Geists leuchtete dunkelrot, als er Muster auf das metallene Deck projizierte: Er scrollte durch lange Statistiklisten und Daten zu allen Kandidaten und deren Rollen. Drei Geist-Übertragungen hingen in der Luft und liefen in der Dauerschleife. Sie alle begannen in dem Moment von vorn, in dem ein unfassbar großer Besessener in den Fokus geriet.
Der Vagabund nahm all das in sich auf, während sich das blutrote Licht seines Geists in seinen Augen spiegelte. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.