JavaScript is required to use Bungie.net

Die Taten gemeinsamer Freunde

Osiris stand vor einem Tor zum Immerforst.

Vor zwei Jahren hatte ihn die Nachricht vom Tod eines seiner ältesten Freunde erreicht. Der Heilige war schon lange verschollen gewesen, doch der Warlock hatte stets angenommen, dass der Titan eines Tages wieder auftauchen würde. Er hatte sich geirrt.

Ihm wurde klar, dass er durch ein schlafendes Tor starrte, und er betätigte ein würfelförmiges Gerät, das an seinem Gürtel hing, um den Durchgang aufzubrechen.

Er hatte den Heiligen nicht vor den Vex retten können. Dennoch hielt er Tag für Tag im Immerforst Wache und sah sich Zukunftssimulationen an, die auf ihren Aktivitäten beruhten.

Jenseits des Tors lockte ihn ein schimmerndes Datenmeer.

Er trat hindurch und in den weißen Schlund der Immerforst-Entstörungskammer hinein.

„Starten, Sagira“, sagte er.

„Willst du heute nicht mal eine Pause machen?“ fragte sie, während sie sich wie eine Krone über ihm entfaltete.

„Die Vex machen auch keine Pause.“

Sie dachte kurz über seine Worte nach. Dann schimmerte der Forst um sie herum, und der weiße Schlund wurde ins Halbdunkel getaucht.

Dann wurde er schwarz. 

Der Boden brach weg, doch Osiris‘ Licht hielt ihn oben und hüllte ihn in eine dünne Rüstung.

Nichts regte sich. Der Warlock legte die Stirn in Falten. Er zündete einen Solarfunken an und hielt ihn hoch. Er erhellte nur das Nichts, das ihn umgab. „Ist mit der Sequenz etwas schiefgelaufen?“

„Nein. Ich habe schon dreimal nachgesehen“, erwiderte sie. „Das ist sie. Das ist die Simulation.“

Er drückte eine Taste an seinem Funkgerät.

 „Ich höre, Osiris“, meldete sich Ikora.

„Was geht da draußen vor sich?“ fragte er.

„Such es dir aus. Wir führen wieder Krieg auf dem Mond. Die Vex haben angegriffen.“

„Und?“

„Wir haben zurückgeschlagen. Der Unsterbliche Geist ist tot.“

„Wie?“

„Ein Plan. Und gemeinsame Freunde.“

„Unsere gemeinsamen Freunde haben soeben sämtliche prognostizierten Versionen der Zukunft im Immerforst verändert.“

„Du klingst nicht glücklich darüber.“

 „Ich melde mich.“ Er unterbrach die Verbindung. „Wo sind wir?“ fragte er Sagira.

„Genau da, wo wir immer sind. Auf dem simulierten Merkur.“

Er konnte nicht einmal Sterne sehen.

„Wie weit reicht diese Leere?“

„Soweit ich weiß, könnte sie bis zum Reisenden reichen.“

„Bring uns dorthin.“

Osiris wusste, dass die Simulation in Bewegung war, doch der Forst schimmerte nicht mehr wie sonst. Es gab nichts zu sehen.

„Wir sind da“, bestätigte sie im selben Augenblick, als seine Stiefel auf kiesigen Boden trafen. Sie hatte noch niemals so verunsichert geklungen.

Hier oben, auf einer windgepeitschten Düne, war es ein wenig heller, aber nicht viel. In dem purpurnen Zwielicht, das über ihm hing, konnte er die Sonne nicht sehen. Der Wind toste in seinen Ohren.

Die Sphäre des Reisenden war verschwunden. An ihrer Stelle ragte ein mindestens doppelt so großer Obsidian-Monolith in den Himmel. Dort, wo die Letzte Stadt gewesen war, wirbelte ein Staubsturm, den das letzte Licht violett färbte.

„Wann wird das geschehen?“

„Der Forst sagt ein Zeitfenster von zwei oder drei Jahrzehnten voraus. Der genaue Zeitpunkt hängt von verschiedenen Variablen ab. Es besteht außerdem eine nicht unbeträchtliche Chance, dass gewisse Faktoren das Eintreten beschleunigen könnten.“

„Was für Faktoren?“

„Die Taten gemeinsamer Freunde.“

„Simulation beenden. Bring mich zum Merkur.“

Es ist dir nicht gestattet, diesen Inhalt zu sehen.
preload icon
preload icon
preload icon